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Wie erkenne ich nachhaltig produzierte Kleidung?

Wie erkenne ich nachhaltig produzierte Kleidung?

[Anzeige/Werbung]: Dieser Guide ist im Austausch und mit Unterstützung von Tchibo entstanden

17. Juni 2020

Hallo Ihr Lieben,
nachhaltig produziert oder nachhaltige Mode sind Worte, mit dem mittlerweile fast alle Modebrands und -konzerne werben. Doch viele nutzen das nicht gesetzlich definierte Wort Nachhaltigkeit für Produkte und Herstellungsweisen, die VerbraucherInnen täuschen, anstatt durch Ehrlichkeit informierte Kaufentscheidungen zu ermöglichen. Andererseits gibt es auch viele Unternehmen, die mit starkem Nachhaltigkeitsmanagement tiefgreifende Veränderungen in ihrer Produktion umsetzen. Dass es manchmal nicht die Unternehmen sind, von denen man das erwartet, zeigt Tchibo.

Das umfassende Nachhaltigkeitsengagement von Tchibo war hier schon öfter Thema. Denn das Unternehmen hat sich vor über 15 Jahren auf den Weg gemacht, Nachhaltigkeit in den Alltag der KonsumentInnen zu bringen. Insofern trägt Tchibo doppelt dazu bei, dass nachhaltige Mode zugänglicher wird. Diese Zugänglichkeit ist eine Voraussetzung dafür, dass faire Mode der neue Standard wird und nicht in einer kleinen grünen Bubble versteckt bleibt. Doch wie kann man denn nun nachhaltige Produkte im Laden erkennen? Tchibo hat mich gebeten, aus meiner Sicht einen kleinen Guide für euch zu erstellen, der euch dabei hilft künftig bessere Kaufentscheidungen zu treffen.

1. Die Größe des Unternehmens
Eine gute Faustregel ist: je größer die Brand oder das Unternehmen, desto wichtiger sind Zertifikate von unabhängigen Organisationen (siehe Punkt 2). Denn diese Firmen haben viele Zulieferer und Verträge, die oft nur schwer selbst zu kontrollieren sind. Gleichzeitig steigt mit der Größe des Unternehmens auch der ökonomische Druck, Profite zu machen. Und da wird nachhaltige Produktion oft mal beiseite geschoben. Kleine Brands sind hingegen meist inhabergeführt und haben sehr übersichtliche Lieferketten. Gleichzeitig sind die Profite dieser Firmen geringer, sodass eine Zertifizierung, die oft sehr teuer ist, nicht unbedingt möglich ist. Dafür ist die Kommunikation sehr direkt. Wenn man nachfragt, bekommt man oft eine Antwort von den GründerInnen, die ihre Lieferanten direkt besuchen und genau über Löhne und Zustände vor Ort Bescheid wissen. Nachfragen lohnt sich aber auch bei den Großen. Denn so bleibt das Thema im Unternehmen aktuell.

2. Zertifikate für Kleidung
Es wäre schön, wenn es das eine Siegel gäbe, das sicherstellt dass die Produktion deines neuen Lieblingsstücks nachhaltig ist. Leider gibt es das bisher nicht. Die Lieferkette ist so komplex, dass kein Siegel die gesamte Wertschöpfung zertifiziert, sondern einzelne Schritte wie Faseranbau, ökologische oder soziale Aspekte in der Produktion. Nach meiner und Dr. No´s Einschätzung sind folgende Siegel aktuell die besten Anhaltspunkte für nachhaltige Produktion:

- GOTS (Ökologische Rohmaterialien und Verarbeitung, soziale Mindeststandards)
- Fairtrade Siegel (Hohe soziale Standards im Anbau der Rohmaterialien, ökologische Mindeststandards)
- Fairwear Foundation (hohe soziale Standards in der Näherei)
- Cradle to Cradle Standard (hohe ökologische Standards und Kreislaufwirtschaft)
- Cotton Made in Africa (hohe soziale und ökologische Standards bei der Baumwollproduktion)

Ein Siegel deckt also aktuell nicht alles ab. Aber Kombinationen verschiedener Siegel kommen dem nahe. Eine recht umfassende Absicherung bietet bspw. die Kombination aus GOTS-Standard mit dem Fairtrade Siegel oder der Fairwear Foundation.

Es gibt aber auch zahlreiche Siegel, die wir kritischer sehen. Ein Beispiel ist der BCI Standard. Offiziell verpflichtet er Bauern dazu, durch Schulungen Baumwolle mit weniger Pestiziden anzubauen. Gleichzeitig ist der BCI "technologieneutral". Das heißt, dass nicht zwischen bio, konventioneller oder sogar gentechnisch veränderter Baumwolle unterschieden wird. Wobei letztere 70 Prozent der weltweiten Produktion ausmacht. So können Konzerne gentechnisch veränderte Baumwolle als "nachhaltige Baumwolle" bewerben. Von KundInnen zu erwarten, dass sie diese Unterschiede kennen halte ich für unrealistisch, so dass hier die Vermutung gewollten Greenswashings nahe liegt. Auch der Grüne Knopf, ein erster Versuch eines staatlichen Siegels, ist zwar eine sinnvolle Idee, geht unserer Meinung nach aber nicht weit genug. Warum ich den Grünen Knopf kritisch sehe habe ich auch letzte Woche mit Tchibo im Podcast 5 Tassen täglich diskutiert (hört mal rein) und auch auf dem Blog eine Einschätzung geschrieben.

Die Tatsache, dass viele Produkte von Tchibo nach dem Grünen Knopf zertifiziert sind, ist natürlich nichts negatives. Vielmehr möchte Tchibo zeigen, dass sie diese Kriterien schon heute erfüllen und bei neuen Initiativen für mehr Fairness vorausgehen. So setzt sich Tchibo bspw. auch für ein Lieferkettengesetz ein. Dieses würde für rechtlich bindende Standards für alle Unternehmen und dadurch auch Wettbewerbsgleichheit am Markt sorgen. Denn aktuell ist faire Produktion mit Mehrkosten verbunden, so dass unfaire Produktion günstiger ist und nicht sanktioniert wird.

Falls ein Siegel hier nicht aufgeführt ist, schaut mal bei Siegelklarheit.de vorbei, die eine gute Übersicht zu verschiedenen Zertifizierungen gibt.

3. Materialien bei Kleidung
Die Rohstoffe machen einen Großteil der Umweltauswirkungen von Textilien aus. Insgesamt gilt, je weniger Fasern gemischt werden, desto besser lässt sich Kleidung recyceln. Mischfasern zu trennen ist oft schwer bis unmöglich. Jedoch gibt es Produkte, wie z.B. Socken, bei denen Elasthan unabdingbar ist, um Produkteigenschaften wie das Halten der Passform sicherzustellen. Ein Hemd aus 50% Polyester und 50% Baumwolle hat aber meist eher Kosten- als Designgründe. Grundsätzlich sind Naturmaterialien zu bevorzugen, besonders wenn sie aus Bio-Anbau stammen. Denn beim Waschen des Hemdes werden Mikrofasern aus dem Polyesterstoff ausgewaschen und gelangen ins Abwasser. Die Fasern können von Kläranlagen nicht gefiltert werden, gelangen so in die Umwelt, wo sie negative Folgen für Mensch und Umwelt haben können. Leider können sie auch im Nachhinein aufgrund ihrer Größe nicht mehr entfernt werden.
Es gibt Kleidungsstücke bei denen wir aber nicht um Kunstfasern herumkommen. Zum Beispiel wenn sie eine Funktion erfüllen, wie bei Sportkleidung oder einer Regenjacke. Hier würde ich empfehlen, recycelte Fasern zu bevorzugen, denn diese werden aus regeneriertem Meeresplastik oder benutzten Kunststoffen hergestellt, die andernfalls oft in der Verbrennung landen. So wird zwar nicht das Problem Mikroplastik gelöst, aber zumindest entstehen ökonomische Anreize Kunststoffe aus der Umwelt zu entfernen.

4. Charity
Grundsätzlich gilt: ein Produkt ist nicht nachhaltiger, weil ein Anteil am Gewinn für wohltätige Zwecke gespendet wird. Zwar spricht nichts dagegen, sich sozial zu engagieren, trotzdem sollte das Produkt an sich ökologisch und sozial neutral oder besser positiv sein, anstatt einen negativen Impact durch Geld auszugleichen. Denn nicht nachhaltiges Wirtschaften macht Charity ja erst notwendig, wenn Menschen und Umwelt nicht respektiert werden. Darum, wenn mehr über die Charity als die Produktion gesprochen wird, nachfragen! (s. Punkt 2 & 3).

5. Nachhaltige Randaspekte
Viele Unternehmen werben mit nachhaltiger Verpackung, weniger Plastik oder Ökostrom in der Firmenzentrale. So entsteht schnell der Eindruck, das Unternehmen agiere nachhaltig. Grundsätzlich gilt aber: das Produkt ist der Fokus, denn die Produktion von Gütern ist stets der Hauptverursacher von Emissionen und Ressourcenverbrauch. Alle weiteren Nachaltigkeitsengagements sind natürlich begrüßenswert, machen aber nur wenige Prozent am Impact eines Unternehmens aus. Wer also mehr mit Mitarbeiterführung in Deutschland wirbt, als gute Arbeitsstandards in seiner Produktion im Ausland sicherzustellen, sollte skeptisch betrachtet werden.

6. Rabattaktionen für Recycling
Hier geht es meist nicht darum, Kleidung zu recyceln, sondern um mehr Absatz von neuen Produkten. Denn es ist verlockend, gute Kleidung wegzugeben, um etwas neues günstiger zu bekommen. Insgesamt ist es aber natürlich nachhaltiger, Kleidung möglichst lange zu tragen. Darum nachfragen, ob der Hersteller wirklich Ressourcen selbst recycelt oder nur alte Kleidung an Partner weitergibt.

7. Dein Bauchgefühl
Ein Unternehmen ist in der Vergangenheit nicht gerade durch Nachhaltigkeit aufgefallen, gibt sich aber plötzlich grün? Wie wahrscheinlich ist das? Eine schnelle Suche im Internet hilft oft, solche Tricks zu entlarven. Das Bauchgefühl ist oft ein guter Indikator, um eine Recherche zu starten und nachzufragen. Überzeugen lassen kann man sich dann immer noch von Fakten!

8. Frage NachhaltigkeitsexpertInnen
NachhaltigkeitsbloggerInnen sind oft gut geschult darin, Greenwashing zu erkennen. Darum sind gerade Blogs, die sich nur dem Thema widmen ein guter Startpunkt. Da natürlich auch Blogs nicht perfekt sind, findet ihr hier eine kleine Liste mit Empfehlungen für KollegInnen. Im Zweifel schickt uns eine Nachfrage zu einer Brand, die ihr mögt auf Instagram oder per Mail. Oft haben wir uns schon mit dem Thema befasst und können unsere Antwort teilen oder euch direkt antworten.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig damit helfen, nachhaltige Produkte leichter zu erkennen. Ich weiß, ein langer Text lässt es oft erstmal ein wenig schwierig aussehen. Aber trust me, es wird mit der Zeit einfacher und vorallem auch spannender, sich besser auszukennen und so seinen Kleiderschrank nicht nur mit Kleidung, sondern auch mit Wissen darüber füllen zu können.


Alles Liebe
Marie

Photo Credits: Marie Nasemann & Sebastian Tigges
Text: Marie Nasemann & Norian Schneider
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